Unser Newsletter
Der Verein und seine Geschichte
Geschichtliche Eckdaten Zweibrückens
- Zeit um 1900 -
Die Gründung des ersten Zweibrücker Fußballvereins fiel in eine Zeit, die geprägt wurde von einer Aufbruchstimmung, die im Grunde in der gesamten einheimischen Bevölkerung spürbar war. Begünstigt wurde dieser Aufschwung durch etliche technische Neuerungen, die das Leben in dieser Stadt spürbar erleichterten. Zu nennen wäre in diesem Zusammenhang etwa die Anlage der städtischen Wasserleitung (1900/01), durch welche die alten Pumpbrunnen, die es innerhalb Zweibrückens an vielen Stellen gab, überflüssig wurden. Auch die neuartige elektrische Straßenbeleuchtung, die die alten Gaslampen ersetzte, wurde 1901 allgemein sehr begrüßt. Hinzu kamen im gleichen Jahr die Erweiterung des städtischen Gasleitungsnetzes - damals ebenfalls ein bedeutender Schritt in die Zukunft.
Zweibrücken - damals noch bayerisch - war zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine aufstrebende Stadt mit fast 14000 Einwohnern und einem großen Umland. Das allgemeine Vereinswesen blühte längst, doch was Sportklubs im Besonderen anging, hatte man durchaus noch Nachholbedarf...
Das Leder zum Rollen gebracht
Sie waren nicht überall gerne gesehen, aber sie wurden bereits geduldet. Nicht etwa, weil man sie dem Mitleid anheim fallen ließ,vielmehr deshalb, weil sie ein menschliches Begehren weckten. Man war ganz einfach neugierig ihres Tuns und Treibens wegen. Sie spielten Fußball. Darunter konnten sich im beschaulichen Zweibrücken der Jahrhundertwende nur wenige Zeitgenossen etwas vorstellen.
Gespielt wurde mit einer Lederkugel. Und zwar in zwei Gruppen gegeneinander, genau wie beim Tauziehen. Jedem, dem diese Lederkugel vor die Füße rollte, durfte fest dagegen treten. Aber nicht in jede Himmelsrichtung, sondern in der Richtung, die seiner Gruppe vorgegeben war. Das Ziel war ein rechteckiges Ding, das sah aus, wie ein niederes Hoftor. Zwei Pfosten oder Pfeiler waren oben durch eine Schnur verbunden. Dahinein musste nun diese Lederkugel befördert werden. Wer zwischen die Pfosten traf, der bekam einen Punkt. Die Leute nannten das „Tor“. Was ziemlich einfach war, oder auch nicht. Denn in diesem riesigen Gartentürchen, da stand einer, der durfte nun mit einer Hand oder mit beiden Händen die Kugel anhalten. Dann trat oder warf er das Lederding wieder auf den Platz zurück und die Treterei in Richtung der Holzpfosten ging weiter.
In Zweibrücken hatte noch niemand so ein eigenartiges Hin- und Her Rennen gesehen. Allerdings, so konnten Geschäftsreisende berichten, im 100 Kilometer entfernten Karlsruhe, da werde dieses Spiel schon länger betrieben. Dazu brauche man einen Platz, am besten eine Wiese, etwa 100 Meter
lang und so an die 50 oder 60 Meter breit. Die zwei Gruppen, die gegeneinander die Kugel treten unterscheiden sich ganz einfach. Tragen die einen zum Beispiel blaue Hemden, so werden die anderen grün, rot oder gelb angezogen. Eines aber ist immer zu beachten. Gespielt werden darf nur, wenn ein Mann mit einer Trillerpfeife dabei ist, der trägt einen schwarzen Anzug. Erst wenn er mit der Pfeife getrillert hat, darf getreten werden. Er bestimmt auch durch seine Pfeiferei, wann eine Pause gemacht wird und er beendet auch die Spielerei. Wenn einer mit Absicht einem der anderen Gruppe ans Bein tritt, einem von hinten das Bein stellt, oder sogar mit der Hand an die Kugel greift, dann pfeift er. Dort, wo das Vergehen stattgefunden hat, dort darf die benachteiligte Gruppe dann die Kugel ungehindert treten, das heißt die Männer der andern Gruppe müssen mindestens neun Meter weit weg sein.
Übrigens, gewonnen hat am Ende die Gruppe, welche die Lederkugel am meisten zwischen die Pfosten getreten hat. Gezählt wird dann so: Haben die Roten dreimal getroffen, die in den blauen Hemden einmal, so sagt man drei zu eins für Rot. Ein ganz interessantes Spiel, so fanden manche Leute und überlegten sich, so ein Spiel mal zu besuchen. Aber, nach Karlsruhe war der Weg zu weit. In Kaiserslautern jedoch, da hätte man so ein Spiel sehen können. Wenn man in Zweibrücken gewusst hätte, dass es manchmal dort ein solches gab. Aber dann wäre man ja einen halben oder ganzen Tag unterwegs gewesen. Allerdings, auf dem kleinen Exerzierplatz, da sollen junge Leute, wie man hörte die Abgänger der königlich-bayerischen Realschule Zweibrücken, das Spiel schon betrieben haben, schon im Sommer 1899.
Wie kam es zur Vereinsgründung, welche Männer besaßen die Initiative und welche Schwierigkeiten hatten sie zu überwinden? Blättern wir in der Vereinschronik. Die erste Gründung eines Fußballvereins erfolgte im November 1900, in der im letzten Krieg zerstörten Wirtschaft „Karlsberg“ in der Poststraße, heute „Paramount“.
Der Initiator zu diesem in Zweibrücken kühnen Unterfangen war der vom Niederrhein gekommene fußballinfizierte Kaufmann Emil Bückmann. Der fand genügend Sportbegeisterte, die mit Freude und Liebe dieser neuen Sportart huldigten. Dass man bei dieser Gründung schon Nägel mit Köpfen machte, bestätigt die aufgestellte Satzung, die den Sinn und Zweck des Vereins beleuchtete.
1. die körperliche Entwicklung seiner Mitglieder durch geordnete Pflege zweckentsprechender sportlicher Spiele, hauptsächlich des Fußballspiels, zu fördern
2. geistige Disziplin und edlen Sportsinn in seinen Mitgliedern und
3. Anerkennung und Wertschätzung des Sports nach außen zu erzielen.
Zur Erreichung dieses Zieles kommen nach § 3 in Anwendung:
1. ein regelmäßiger Sportbetrieb nach Maßgabe der im Anhang enthaltenen Spielordnung
2. Abhaltung belehrender Vorträge sportlichen Inhalts
3. Veranstaltung öffentlicher Wettkämpfe.
Der fehlende Sportplatz tat der Begeisterung keinen Abbruch, denn der kleine Exerzierplatz bot sich dazu an. Die fehlenden Tore waren kein Hindernis, schließlich gab es Stangen und Schnur in genügenden Mengen. Trainiert wurde meist sonntags, und, da keine 11 Spieler zur Verfügung standen, begnügte man sich mit Übungsspielen untereinander. Das wurde anders als der Schweizer Stierlin und der Lauterer Bügler dem Verein beitraten. Im September 1902 erfolgte das erste Wettspiel, bei dem die Germania Kaiserslautern mit 5:1 geschlagen wurde. Für den FKZ spielten: Büger, Bückmann, Wolf, Zimpelmann, Stierlin, Hartmann, Basl, Dorner, Honeck, Loth und Lins. Meisterschaftsspiele waren noch liebliche Zukunftsmusik. Die Vereine mussten sich mit Freundschaftsspielen begnügen, die die Zweibrücker in Kaiserslautern, Landau und Pirmasens in Aktion sahen.
Eugen Seybold, der spätere Herausgeber des „Fußball“, München, war der Initiator des Fußballs in Landau und lud die Zweibrücker zu einem Werbespiel ein, das am 1. Februar im Hof der Weißen Kaserne stattfand. Karl Dilg aus Frankenthal leitete das Spiel, zu dem eigens Programme mit der Mannschaftsaufstellung ausgegeben wurden, das Zweibrücken gewann. Folgende Spieler standen sich gegenüber: Zweibrücken: Bügler, Wolf, Stierlin, Grim, Bückmann, Seegmüller, Basl, Dorner, Zimpelmann, Loth, Honeck. Landau: Strobel, Kieser, Siegel, Schönert, Arnold, Schreiner, Schwarz, Runckel, Seybold, Richter, Walter.
Nicht nur dem Fußball hatte sich der Fußball-Klub verschrieben, sondern gleichermaßen der Leichtathletik. Das bestätigte das im gleichen Jahr ausgetragene Sportfest, zu dem Vereine aus Kaiserslautern, Frankenthal, Landau und Pirmasens kamen. Lauf, Sprung und Fußball-Weitstoß standen auf dem Programm, das durch Fußballspiele auf mehreren Spielfeldern bereichert wurde.
Die Zweibrücker Spieler trugen beim Spiel Mützen, die Ehrenmützen waren in Samt gearbeitet und mit silbernen Troddeln versehen. Der FKZ verfügte über wenig passive Mitglieder. So ruhte die ganze Last auf den zumeist jungen Spielern, die aus beruflichen Gründen oft den Ort wechseln mussten, und so dem Verein nicht mehr zur Verfügung standen. Das wirkte sich natürlich auf das spielerische Niveau aus und die Erfolge waren sehr wechselhaft. Der akute Mangel an Aktiven führte zu Verhandlungen mit dem Turnverein 1861, der die Absicht hatte, eine Fußballriege zu gründen. Er reflektierte dabei auf den Stamm der FK-Mannschaft, den er beim Übertritt bekam, aber der erwartete Aufschwung blieb aus. Das auch heute noch leidige Problem der Spielerabwerbung war auch dort schon gang und gäbe. Die guten Spieler Honeck und Basl waren heftig umworben, ebenso Marx, der dann in Kaiserslautern spielte.
Die pfälzischen Vereine hatten sich mittlerweile zu einem „Verband Pfälzischer Vereine für Bewegungsspiele“ zusammengeschlossen, an dessen Spitze Eugen Seybold, J. Kessler und der Pirmasenser Hugo Deil standen. Spielkurse waren in dieser Zeit schon möglich; so hielt in Zweibrücken der Lehrer Bühler einen ab. Dieser Kurs konnte aber das Erliegen des Fußballspiels in Zweibrücken nicht verhindern und es dauerte eine Zeit, bis sich wieder Idealisten und Freunde des Fußballspiels zusammenfanden. Die Neugründung dürfte wohl am 5. Mai 1906 erfolgt sein, denn tags zuvor brachte die Heimatzeitung „Pfälzischer Merkur“ folgende Anzeige:
Aktualisiert (Freitag, 19. September 2008 um 13:16 Uhr)














