Wer Windows startet, muss meist lange Ladezeiten in Kauf nehmen. Damit soll nun Schluss sein: Ein kalifornisches Unternehmen will das Booten komplett abschaffen. Der Clou: Ein abgespecktes Betriebssystem inklusive grundlegender Anwendungen schlummert direkt in einem Chip auf der Hauptplatine, nach dem Einschalten ist es sofort bereit. Windows und seine Standard-Anwendungen lassen sich damit auf Knopfdruck umgehen. XP und Co. müssten nur noch für spezielle Programme gestartet werden. (6.11.2007)
Phoenix Technologies heißt die Firma, die dem Softwareriesen Microsoft den Kampf angesagt hat. Das Unternehmen ist einer der größten BIOS-Hersteller (Basic Input/Output Systeme) und produziert diese zentralen PC-Komponenten für zahlreiche Mainboard-Hersteller. Das BIOS erkennt die Hardware eines Computers und ist ohne Bootvorgang startklar. Genau hier setzt das neueste Produkt von Phoenix Technologies an: HyperSpace ist ein kleines Betriebssystem auf Linux-Basis, das auf BIOS-Ebene verankert wird. Einfach F4 drücken, das System wird gestartet, und ohne Wartezeit kann der Anwender im Internet surfen, eine eMail schreiben oder Musik hören. Auch Wartungsarbeiten am System lassen sich ausführen. Danach hat man vollen Zugriff auf die vorinstallierten Programme, Daten lassen sich normal auf der Festplatte speichern. Windows bleibt dabei außen vor - ein Umstand, über den Microsoft alles andere als glücklich ist.
"Wenn ich am Flughafen mit meinem Notebook über WLAN ins Internet will, muss ich alleine fünf Minuten warten, bis Windows gestartet ist", fasste Phoenix-Geschäftsführer Woody Hobbs im Interview mit dem Branchenmagazin Wired das Problem vieler Windows-Nutzer zusammen und ergänzte: "Das ist lächerlich." HyperSpace soll deshalb alle wichtigen Anwendungen auf Knopfdruck zur Verfügung stellen – neben Internet-Anwendungen könnten das auch einfache Office-Programme sein. Bereits ab Mitte 2008 werden den Planungen zufolge erste Laptops mit dem System ausgeliefert.
Microsoft ist nicht glücklich
Software-Riese Microsoft ist nach Hobbs’ Aussage wenig begeistert von dem neuen System. "Microsoft betrachtet HyperSpace als etwas, auf das sie keinen Einfluss haben. Darüber sind sie nicht allzu glücklich." Das System gibt den Windows-Kritikern neue Argumente, die schon lange die steigende Komplexität und immer längeren Ladezeiten des Microsoft-Systems beklagen. Zuletzt wollte der Software-Hersteller mit Windows Vista das Problem angehen und die Bootdauer verkürzen – das Gegenteil war der Fall. Produkte wie HyperSpace springen nun in die Bresche – und könnten reißenden Absatz finden. Daneben sorgten bereits Technologien wie Flash-Speicher und Magnet-Speicherchips namens MRAM für erheblich kürzere Bootzeiten.
Können wir uns nur freuen, oder?



